Morgens überraschten uns ein gutes Frühstück und ein Kaminzimmer voller trockener Klamotten. Ein Blick aus dem Fenster und wir wussten, das wir wieder mal alles richtig gemacht hatten: Strahlender Sonnenschein und eine super Aussicht auf die umliegenden Gipfel. Heute können wir auf der ersten Abfahrt 13 km und ca. 1.000 hm nach unten genießen ….
Doch was ist das? Da fährt ein Auto mit 4 Leuten vor, die steigen uns, setzen sich einen Bikehelm auf und stellen sich für ein Foto zu Gavia-Pass Schild! 2 bis 3 Fotos später setzten sich wieder alle ins Auto und fuhren fort. Jürgen und ich schauten uns entgeistert an und mussten laut Lachen - Typen gibt’s!



Die Abfahrt ging runter auf der Gavia Pass Strasse, berühmt geworden durch den Giro d´Italia. Man kann sich gut vorstellen, wie sich die Rennfahrer die Straße hinauf quälten oder im Höllentempo wieder herunter stürzten - Wahnsinn! Früher sogar auf Schotter, dann wurde er Asphaltiert und durch so manches Tunnel entschärft.

Es ging weiter bis zum Abzweig links nach Pezzo hinauf und von dort weiterhin Asphalt zum Case di Viso. Thomas & Gerhard, unsere „Wegbegleiter“ aus Österreich, haben wir hier wieder getroffen. Sie sind gestern Abend noch hinab nach Ponte di Legno und hatten Probleme ein Zimmer zu finden. Dort war ein Fest zu Gange und die Stadt bzw. das Dorf war fast ausgebucht. Letztendlich haben sie ein Einzelzimmer mit Beistellbett bekommen. Tja da scheinen wir doch die richtige Entscheidung gestern habend getroffen zu haben.

Heute ist irgendetwas anders – ach ja, wir haben Sonntag und alle abwohnenden Italiener wollen in die Berge. Uns überholt ein Auto nach dem anderen. Man – die würden noch zum Gipfel fahren, wenn es möglich wäre - dachten wir uns. Durch das sehr kleine Dorf Case di Viso strömten Menschen, die alle mit uns eins gemeinsam hatten – den Gipfel des Montozzo. Die Auffahrt ist sehr hart, oft haben wir geschoben, mal haben uns die Wanderer überholt, mal wir sie. Auf 6,5 Km fiel eine Durchschnittssteigung von fast 11% auf grobem Schotter - echt brutal! Dann war da aber nicht der Gipfel, sondern das Riffugio Bozzi, eine Hütte auf 2.470 m. Hier trennten wir uns von den meisten Wanderern, denn die Hütte war deren Ziel. Nach einem kleinen Espresso und einer Tafel Schokolade machten wir uns zum Aufstieg – auf ca. 500 m Länge 250 Hm zu überwinden, da haben wir kaum mehr laufen können, geschweige denn, das Rad schieben. Unser HAC zeigt 40% an … mehr brauch man dazu nicht zu sagen!



Endlich – der Gipfel auf 2.613 m. Genau an der Kante erkennt man noch den alten Schützengraben - man fragt sich schon, was es da zu verteidigen gab und wie viele Tode hier noch begraben sind. Jürgen wechselte noch schnell seine abgefahrenen Bremsbeläge und ab ging’s nach unten … aber von wegen fahren – laufen und schieben ist angesagt, zumindest einen großen Teil. Im Auge immer wieder der türkis schimmernde See, Lago di Pian Palu auf 1.830 m. Wir überquerten eine sehr wacklige Hängebrücke, ab hier ein sehr schöner, nicht mit großen Steinen wie vorher verblockter Weg aber gespickt mit rutschigen Wurzeln und Naturtreppen. Also ab und zu mal absteigen. Am See ein kurzer Fotostopp dann ging es stetig bergab und immer fahrbar, teils auf Forstwegen, teils auf Asphalt und kleinen Nebenstrassen. Bis Dimaro waren es dann nur noch 806 m, die wir teilweise auf Radwegen durch herrliche Täler vernichteten.


In Dimaro Ortsausgang ging es auf der Straße Richtung Madonna de Campiglio, aber ab der ersten Serpentine bogen wir auf den MTB-Radweg ab. Zuerst langsam, dann immer steiler werdend und auf Schotter mussten wir auf ca. 13 Km irgendwie die 800 Hm überwinden. Hier haben wir unsere Bikekollegen Thomas & Gerhard wieder getroffen, mit denen wir gemeinsam bis nach Madonna gekurbelt sind. Die beiden sind echt klasse drauf - Respekt! Endlich, der berühmte Ski-Ort, wo auch unser Michael Schuhmacher seinen Winterurlaub verbringt, der ist aber echt mondän, der Ort. Im Garni Hotel Arnica haben wir alle ein Zimmer bekommen.
Nach ausgiebiger Dusche haben wir uns alle zum Pizza Essen getroffen, genau gegenüber vom Hotel Arnica - echt lecker! In geselliger Runde haben wir uns mit tollen Bike Gesprächen näher kennen gelernt, natürlich wieder mit einem Liter Rotwein & einem Grappa. Übrigens gab es vom Hotel aus eine 10% Rabattkarte für dieses Restaurant - nicht schlecht! Den Abend ließen wir mit einem anschließenden Stadtbummel und einer Kugel Eis ausklingen.


Mehr Informationen hierzu finden Sie im jeweiligen Report.