Es hat über Nacht geregnet. Die Wolken hängen morgens noch sehr tief. Wir setzen uns ans Frühstück und es nieselt leicht. Ist ab heute unser Glück aufgebraucht? Wir hoffen nicht, und weil die Hoffnung als letztes stirbt, klart es ein wenig auf und der Tag beginnt bei unserer Abreise doch noch ohne Regen!
Heute erklimmen wir zuerst das “Refugio Negritella”, dann über den Gipfel und wieder hinab nach “Pezzo”. Von dort aus auf Strasse dem einzigen Übergang, dem “Gavia Pass” nach “Santa Catarina”. Doch soweit sind wir noch lange nicht... erst ein kurzes Foto an der Gedenkstätte für die vielen Gefallenen in den Weltkriegen des “Passo Tornale” .


Dann folgt eine Schiebepassage hinauf zu den Bergstationen der Skilifte des “Passo Tornale”. Der ganze Pass ist ein einziges Skiparadies mit weit über 10 Liftanlagen. Wir steigen auf grobem Schotter den Berg hinauf und genießen das Wolkenspiel, das sich uns darbietet. Bald wechselt der Schotter in einen Wiesenpfad. Durch den Regen und den Tau am Morgen ist die Wiese sehr nass, und bald auch unsere Schuhe. Aber egal, weiter geht es, jetzt öfter mal fahrend auf den Höhen der Berge, bis dass uns die Steigung ein Schnippchen schlägt. Auf einem Kilometer müssen wir 22% Steigung im Durchschnitt erklimmen, max. zeigt mein Tacho sogar 32% an - brutal. Immer durch die nasse Wiese, kaum den Pfad findend. War hier vor uns noch niemand? Vorbei an einer Schafherde immer weiter hinauf, bis wir an einer verfallenen Ruine stehen. Dort gehen drei Wege in die selbe Richtung, einer hoch, einer bleibt auf unserer Ebene, einer geht runter. Da die Wege sehr eng beieinander liegen, kann auch das GPS keine genau Aussage treffen. Wir entscheiden uns für den Unteren, den Falschen. Nach ca. 300 m wieder zurück laufen, den Mittleren weiter und so sind wir richtig.













Ein sehr enger und verblockter Pfad, kaum Möglichkeiten zu biken, weiter laufend bis es dann doch in einen klassen Trail endet. Den hatten wir so nicht erwartet, denn mit viel Flow auf einer Wiese führt der Weg hinab. Man meint, die Einheimischen hätten extra für uns einige Abschnitte, besonders die Kurven, gemäht. Nach unendlichen Rechts- und Linkskombinationen führt der Pfad in einen Waldweg, bis dieser letztendlich in Pezzo endet. Das waren 5 km und ca. 14% Gefälle mit reinstem Vergnügen! Hier sind wir auch schon 2006 vorbei gekommen und weiter zum Refugio Bozzi, heute heißt es, den Gavia Pass zu bezwingen. Zuerst machen wir in Pezzo Pause, füllen unsere Flaschen auf. Aber das Wetter schein sich zu verschlechtern. Tiefe, dunkel Wolken am Himmel, die Spitzen der Berge lassen sich nur erahnen.







Auf den kommenden 12 km müssen wir im Schnitt 8,5% Steigung bewältigen. Das ist im Vergleich zu den vergangen Tagen ein Kinderspiel. Auch wenn es zwischendurch mal 14% sind, auf Strasse geht es doch viel einfacher. Aufgrund des schlechten Wetters ist nicht viel Betrieb, ab & zu ein Auto, viel öfter ein paar Motorräder. Wir erklimmen Serpentine für Serpentine, pausieren ab und zu für ein Foto und kommen zum Tunnel. Diesen Tunnel können wir auf der alten Passstrasse links herum umfahren. Auf den Strassen stehen noch Spruchbänder der vergangenen Giro de Italia: Go Basso ...
Es fängt leicht an zu nieseln, wir legen einen Zahn zu, nur noch 1-2 km, dann haben wir es geschafft. Der Nebel zieht sich zu und in weiter Ferne ertönen die ersten Donnerschläge. Jetzt nichts wie hinauf zum Gipfel. Kaum erreichen wir den Pass, fängt es richtig an zu regnen, aber wir nehmen schon Platz am Ofen der Gipfelhütte. Blitze durchziehen die kalte Luft draußen und der Regen prasselt an die Scheibe. Haben wir ein Glück, hier einigermaßen trocken zu landen (Schweiß und durchnässte Schuhe zähle ich jetzt nicht mit). Zuerst einmal was zu Trinken und Panini mit Schinken. Hier oben kennen wir uns aus, hier haben wir 2006 aufgrund Schneefalls übernachtet.













Das Schauspiel draußen scheint nicht enden zu wollen. Immer wieder Blitze mit anschließenden Donnerschlägen, die einen das Fürchten lehren. Wir sitzen jetzt schon über eine Stunde hier oben, und es scheint sich draußen einzuregnen. Was sollen wir machen? Wir haben nur nur ca. 13 km bergab nach Santa Catarina. Wir entschließen, uns auf den Weg zu machen und ziehen unsere Regenklamotten an. Ab und zu ein Donner & Blitz und wir dazwischen, bis wir schließlich nach vielen Serpentinen in “Santa Catarina” angekommen sind. Unser Hotel liegt direkt an der Hauptstrasse und war nicht zu verfehlen. Jetzt hieß es nur, Zimmer beziehen, eine schöne heiße Dusche und aufs Abendessen warten, was übrigens vorzüglich war. Das Hotel bot uns einen kostenlosen Wäscheservice an, den wir dankend annahmen. Auch unsere durchnässten Schuhe wurden im Heizungskeller getrocknet.




Es wurde draußen etwas ruhiger, der Regen wurde weniger und wir wagten einen kleinen Abendspaziergang. Dieser wurde nach einer halben Stunde mit Regen unterbrochen.



Da half dann nur noch eins:

Die Nacht wurde unruhig, denn das Gewitter wollte einfach nicht aufhören und es blitze und donnerte die ganze Nacht, wenigstens solange bis ich irgendwann doch einschlafen konnte ...