Ohne viel Worte, die Nacht begann mit Regen, aber mit viel Hoffnung auf einen dennoch guten Morgen. Da Bilder mehr sagen:

GESTERN ABEND von unserem Balkon aus HEUTE MORGEN von unserem Balkon aus
Es regnete beim Aufstehen, beim Frühstücken und beim Fortfahren. Aber halt, soweit sind wir ja noch gar nicht. Nach dem Frühstück setzten wir uns zusammen und studieren die Landkarte. Unser Weg führt eigentlich wieder runter nach St. Ulrich und von dort ins “Val Saltria” bis hinauf nach Saltria und weiter zum Mahlknechtjoch. Wir suchten & fanden eine Gelegenheit, die gestern mühsam erkämpften 250 Hm zum Hotel zu nutzen: Anfangs eine kleine Strasse, die in einen schönen Schotterweg wechselt, sollte uns genau nach Saltria führen. Von dort aus können wir wieder auf unserer original Route weiter. Gesagt getan. Uns begleitetet immer wieder ein kleiner Schauer und zwischendurch Dauernieselregen. Auf knapp 4 km mußten wir mit 11,5% Steigung auf Schotter kämpfen. Das heißt - von innen wurde es auch feucht aber nie kalt, denn unsere Regenklamotten waren echt klasse! Oben in Kompatsch angekommen durften wir einen Teil der erkämpften Höhenmeter wieder bis Saltria vernichten. Wäre das Wetter besser, gäb es hier bestimmt eine tolle Rundumsicht, aber es war alles in einer feinen Nebelsuppe versteckt.


Auf unserer original Route angekommen geht es jetzt hinauf zum “Seiser Alm” beim Mahlknechtjoch. 4 km mit 13% im Schnitt auf gut fahrbarem Schotter rauben dir jedes Frühstückskorn. Um unsere Beine ein wenig zu lockern haben wir immer wieder ein kleines Stück Schieben eingebaut - aber dennoch war der Weg recht gut aber anstrengend zu fahren. Nach ein paar Kurven und steilen Abschnitten später erblickten wir die “Saiser Alm”. Auf dem Weg versperrten uns frei laufende Pferde den Weg - das Salz unseres Schweißes mußte für die sehr gut schmecken, denn sie wollten uns nicht mehr ziehen lassen und nur noch abschleckt....


Das Wetter wurde langsam besser, es hat aufgehört zu Regnen, der feuchte Nebel blieb aber hartnäckig aber die letzten Meter hoch zum Mahlknechtjoch vergingen wie im Flug. Eine Einkehr auf der Hütte haben wir uns erspart, denn wir haben heute noch viel vor. Das Wetter wurde immer Besser, die Sicht etwas klarer.


Glücklich & zufrieden erreichen wir schiebend den Gipfel (2.169m) und machten erst einmal Pause. Denn das Panorama war wieder mal erste Sahne und lud zum Fotografieren und genießen ein. Wir erblickten auch schon den Trail hinunter ins Tal - sieht sehr vielversprechend aus. Auf Bildern kann man oft keine Steigung & Gefälle einfangen, aber glaubt mir es waren teilweise knackige Stücke dabei - begleitet von sehr grobem und losem Schotter.



Ein paar Fotostops später erreichten wir Campitello. Ein kleines, malerisches Dörfchen mit Brunnen an dem wir uns erfrischten. Flaschen wieder aufgefüllt geht es weiter...


Ab hier gilt es auf der Straße bis nach Moena Strecke zu machen. Es viel uns nicht schwer, denn es ging ständig bergab, die Sonne fing durch die Wolken zu scheinen und so vernichteten wir insgesamt seit dem Joch wieder mal fast 1.000 hm. Immer wieder fasziniert uns der Blick zurück, denn die Gipfel der Berge wo wir herkamen wurde immer freier. In Moena suchten wir uns ein Plätzchen, damit wir unsere Klamotten etwas trocknen und unserem Magen etwas zu arbeiten geben konnten. Ein Café zum Eingang unseres nächsten Zieles “Passo Lusia” lud dazu ein. Wir breiteten unser Klamotten aus, genossen Pannini & Cappuccino und ließen uns von den Sonnenstrahlen verwöhnen.

Jetzt müssen wir den 2. Paß des Tages bewältigen: Den “Passo Lusia” auf 2.065 m, das heißt nochmals 850 hm auf 7,5 km (macht eine Durchschnittssteigung von ca. 11,5%.) Anfangs ging’s auf Straße aufwärts, gar nicht mal so heftig und gut fahrbar. Dann bog der Weg kurz vor einer Gondelstation nach rechts ab und es folgte ein sehr mühsamer Schotterweg. Sehr steil, teilweise sehr grob, oft mußten wir absteigen und Schieben, sehr oft. Zwischendurch kühlte ich meine Füße an einem Brunnen und die Trinkvorräte wurden wieder aufgefüllt.


Noch ein paar Fotos, dann ein paar Kehren und Schotterrampen und weiter geht’s Richtung Gipfel. Das Schild zeigt uns den den Weg, aber benötigt hatten wir es dank meines GPS nicht. Das war wirklich ne tolle Sache, mehr davon erfährt ihr im Fazit.

Es ist schon komisch, je näher der Gipfel spürbar war, desto schneller wurden die Kurbelumdrehungen und eine Art Glücksgefühl überkommt einen. Die Letzte Rampe, und wir standen oben, am Gipfel des “Passo Lusia” in einer Höhe von 2.065 m. Uns bot sich ein Schauspiel an Wolkenpracht und Gipfeltürmen. Die Gewitterwolken streiften die Gipfel der Dolomiten als wollten sie uns warnen - zu einem Richtigen Gewitterguß mit Blitz und Donner kam es Gott sei Dank nie. Hier oben zieht es aber und der Wild pfeift uns um die Ohren.. also schnell die Windbraker an und ab geht es hinab nach “Peneveggio”, unser heutiges Etappenziel.



Es folgte ein Downhill erster Güte - immer langsam sinkend ein schöner Wald/Schotterweg. Auf 9 km schluckten wir gerade mal so 600 hm die wirklich erstklassig zu fahren sind und eine menge Spaß machten. Wenn die Nässe und Pfützen nicht wären, wäre es noch einen tick besser - aber wir wollen mit dem zufrieden sein, was uns geboten wird ;-)
Da Stand es vor uns, das Albergo La Bicocca. Dieses mal konnten wir nicht mit Halbpension buchen - was wir total vergessen hatten. Der Grund war ganz einfach - es gab keine warme Küche im Hotel. Aber die Besitzerinnen waren dennoch ganz nett und boten uns eine italienische Hausmacher Wurst- und Käseplatte an. Zuvor Duschten wir uns, zogen uns um und machten uns auf zum Abendbrot. Es war eine Platte voller Schinken, Salami und Käsespezialitäten, dazu Brot & Brötchen und natürlich einem Weizenbier. Es war total lecker, anschließend gönnten wir uns noch einen Apfelstrudel mit Cappuccino und wie solls anders sein - der Abschluß wurde natürlich mit einem Grappa gekrönt!


Nach unserem Verdauungsspaziergang und noch einen Weizen als Betthupferl und ein Blick aus dem Fenster: Was für ein Ausblick aus unserem Balkon - wir freuen uns schon auf morgen ....