Über Nacht gab es ein kleines Gewitter, doch heute Morgen zeugt nur noch der aufsteigende Nebel vom Fluss und den Wiesen von dieser Naturgewalt. Die Sonnenstrahlen sind bereits früh um 8:00 Uhr schon sehr stark, sodass das Thermometer schnell auf 25 Grad steigt. Nach ausgiebigem Frühstück packen wir wieder zusammen, richten unsere Bikes her und los geht die Reise. Was uns heute erwartet ist der Risitenpass auf 2.129 m.


Die Strecke über Sool, Engi und Matt verläuft auf abwechslungsreicher und gut fahrbarer Strecke und so haben wir schon die ersten 500 hm in den Beinen ohne es richtig bemerkt zu haben. In Matt füllen wir unsere Flaschen und uns mit Wasser auf und los geht’s auf steilem Anstieg ins Chrauchtal. Es ist ein feiner Schotterweg, der steil am Berg empor klettert. 22% Steigung sind keine Seltenheit, ab & zu heißt es schieben, dennoch geht es erstaunlich gut.


Wir erreichen eine Hochebene, die alle Schönheit der Natur aufweist: Saftige grüne Wiesen, steile imposante Berge, eine Almwirtschaft und wir mitten drin – traumhaft. Unser Blick geht nach rechts hinauf und wir staunen nicht schlecht. Eine steile Bergflanke und ein kaum erkennbarer Passübergang. Der Weg soll doch tatsächlich dort hinauf gehen. Wir schauen uns verdutzt an. Zunächst geht es auf sehr steilem Schotterweg auf die Alp Riseten, die unterhalb des Risitenpass das Tor zum Übergang darstellt. Wasser auftanken, abkühlen und fertig machen zum Aufstieg.



Nach einer Linkskehre beginnt der Ernst des Bikelebens: Ein gnadenlos steiler Anstieg auf einem sehr kleinen Trampelpfad. Bike schieben? Zwecklos. Selbst ohne Bike ist dieser Übergang eine Heraus- forderung. Zur Veranschaulichung: Auf 1 km geht es 600 Höhenmeter hinauf! Der Pfad ist so steil, die Wiesen teilweise hochgewachsen, dass man sein Bike um die Kurven herum wuchten muss. 3 Kühe haben sich hier her verirrt, wollen uns nicht passieren lassen. Selbstbewusst laufe ich direkt auf sie zu und irgendwie muss ich schon Angst einflößend sein, denn der Satz war gewaltig, den die Viecher gemacht haben. Meter für Meter klettern wir empor. Es ist einer der steilsten Anstiege, den wir in unserem Bikeleben bisher erklommen haben. Immer wieder das Bike mal auf die linke, dann auf die rechte Schulter wuchten, so geht es in kleinen Serpentinen hinauf. Leider zeigen Bilder oft nicht die brutale Steigung.




2.189 m, zwei erschöpfte aber überglückliche Biker, die ein grandiosen Blick über die gewaltigen Berge als Belohnung bekommen, stehen auf dem Gipfel. Das war hart, eine der verblocktesten & steilsten Anstiege, die wir bisher erlebt haben. Das Steile ist nicht so schlimm, aber laufend das Bike tragen, umheben und wieder absetzten um Luft zu schnappen, das macht fertig. Insgesamt hat das “nur” eine Stunde gedauert, doch irgendwie kam es uns ewig vor. Vergletscherte und noch schneebedeckte Bergspitzen in der Ferne, unendliche Weiten der Bergwelt, und ein traumhafter Pfad hinab lässt aber unsere Herzen höher schlagen und alles Anstrengende ist schnell wieder vergessen!



Viele Fotos später, genießen wir den Trail, der fast komplett fahrbar ist. Vor dir schlängelt sich der Weg hinab, links der Blick ins tiefe Tal, rechts die Berggipfel, so könnte es ewig weiter gehen. Der Pfad mündet zunächst auf einen engen Schotterweg, dann in eine leicht verblockte Wiese. Auch wenn der Weg nicht immer sofort auffindbar ist, macht das alles einen tierischen Spaß! Da hat sich der Aufstieg bei so einer geilen Abfahrt gelohnt. Wir genießen jeden Meter bergab.




Wir erreichen die Alp Siez und gönnen uns eine Pause: Frischer Apfelmost und eine deftige Schinken- Käse- Platte. So schwer der Aufstieg zum Risitenpass auch war, die Abfahrt und der Blick in die tiefe weite Bergwelt hat alles wieder entschädigt und diesen Tag zu einem ganz besonderen Erlebnis gemacht. Der Rest bis zum Etappenziel ist reines Pflichtprogramm: Am Radweg entlang über Mels, Bad Ragaz, Landquart bis nach Schiers. Es zieht sich ewig hin, es ist heiß, der Körper verlangt nach Ruhe und 20 km weiter bekommt er seine verdiente Entspannung im Hotel Alpina. Ein leckeres Abendessen und ein kühles Bier beim anschließenden Spaziergang runden den Supertag ab. Man war das geil heute!


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