Danke! Danke für den wieder so sonnigen Tag! Heute steht ein sehr anstrengender Tag an. Fast
2.400 hm auf nur 40 km, und einen Pass, der es in sich hat: Passo Cercen mit 2.628 m. Die ersten
8 km mit durchschnittlich 12%, der letze km mit sage & schreibe 34% - mehr brauch ich nicht zu sagen. Dafür soll die Abfahrt Spitze sein, lassen wir uns überraschen.


Nach einem wieder mal tollen Frühstück und gut gelaunt geht es los. Gleich vor der Haustüre streift der Schotterweg in Richtung Cercen alta. Es geht gleich zur Sache, obwohl unsere Glieder noch keine Chance hatten, sich auf das Kommende einzustellen. Mühsam quälen wir uns Meter für Meter hinauf. An einem Parkplatz finden wir eine kleine Brücke, eine gute Möglichkeit, Wasser nach zu tanken. Das war übrigens auf keiner Etappe ein Problem, Wasser zu finden. Der Schotter wurde teilweise so steil, dass wir keine andere Wahl hatten, als abzusteigen und zu schieben.




An der Cercen Bassa, einer Alm auf luftiger Höhe, machen wir kurz stopp und beobachten das Treiben in der Hütte: Hier wird noch nach alter Tradition Käse hergestellt. Ein Blick über die Landschaft und den bereits zurückgelegten Weg - die Aussicht ist schon grandios. Der Schotterweg wird immer enger bis er letztendlich in einem kleinen Pfad endet. Genau an der Cercen alta, einer kleinen Alm. Die Weite und Schönheit der Landschaft lenkt uns von den Strapazen ab. Selbst Wanderer haben hier ihre Mühe, den Weg nach oben zu kraxeln. Und wir mit unseren Bikes - da wird die Luft immer dünner und ab 35% Steigung ist Schluss mit lustig. Jürgen und ich gelangen an unsere Grenzen, beißen aber beide die Zähne zusammen und lassen es uns nicht anmerken. Keiner will sich die Blöße geben, und so marschieren wir Schritt für Schritt, der Schweiß tropft, Sauerstoff scheint knapp zu werden. So vergeht Minute für Minute und wir kommen dem Pass immer näher. Auf einer Kuppe sehen wir ein typisches Passschild, ja wir sind bald da. Schwere Schritte, keuchend und der Erschöpfung nahe erreichen wir das Schild, doch leider nur ein Plato, nicht der Pass. Wir verfolgen den Weg nach oben. Laut GPS Daten müssen wir doch noch ca. 100 hm absolvieren. Pause. Hätten wir doch vorher mal geschaut. Aber egal, das Wetter passt, ein heftiger Wind hier oben zieht durch die nassen Klamotten. Also die letzen Reserven angreifen und den Gipfelsturm vorbereiten. Es geht besser, als es aussah und nach kurzer Zeit erreichen wir den Passo Cercen.














Alles ist vergessen, die Anstrengung vorbei, der grandiose Ausblick, die unendlichen Weiten hier oben überwältigen dich. Fotopause, Trikot wechseln, Windbraker an und ab geht’s zur anfangs besprochenen Abfahrt.
Es ist eine der besten, die wir erfahren dürfen. Flow, kaum grober Schotter, alles top fahrbar. Es macht Spaß, sich dem Trail hinzugeben, eins zu werden mit der Piste und deinem Bike. Der Trail schlängelt sich 3 km mit 21 % Gefälle am Hang entlang. Klasse. Der Aufstieg ist vergessen, die Belohnung aller Ehren wert! Weiter geht es hinab und wir vernichten insgesamt 1.400 hm bis Celedizzo im Pejotal.









Dann treffen wir auf unsere Strecke vom Alpencross 2006, auf Radweg geht’s hinab bis nach Fucine. Damals ging es auf dem Radweg weiter, wir müssen jetzt rechts ab nochmals hinauf, hinauf auf den Passo Tornale. Was auf dem Papier wieder so leicht aussieht, wird nach der Anstrengung zur erneuten Qual. Jetzt geht’s es noch einmal ziemlich langwierig bergauf über die alte Militärstrasse zum Tornale von 1.000 auf 2.020 m. Wir haben mittlerweile 30 Grad im Schatten, glühende Hitze am Berghang. Die Schotterpiste wechselt sich ab mit Wiesen & Pfade, ein ständiges Bergauf, und unsere Kräfte schwinden. Wir müssen immer öfter eine Pause machen. Die Lauferei am Passo Cercen hat uns doch schon viel Körner geklaut. Aber nochmals alles zusammen raufen und weiter, immer weiter hinauf. An einem alten Bunker machen wir nochmals Rast, besichtigen diesen, dann wird der Weg etwas flacher und wir kommen dem Pass immer näher. Wir sehen die ersten Skilifte, den Ort Passo Tornale. Jetzt geht es nur noch bergab, es wird kälter und der Wind pfeift uns um die Ohren. Glücklich das Ziel erreicht zu haben, machen wir uns auf die Suche nach unserer Unterkunft. War nicht all zu schwierig, auf der Hauptstrasse das Negritella zu finden.












Ab ins Zimmer, ne heiße Dusche und schon geht es uns wieder besser. Nach einem kleinen Bummel im Ort, für jeden eine 1,5 l Flasche Limo, 2 kleine Magnum Eis, eine Tüte Chips & Gummibärchen und alle Strapazen waren wieder vergessen. Allerdings Hunger hatten wir jetzt (verständlicher Weise) kaum noch. Dennoch ließen wir uns das Abendessen schmecken und nach 2 Gläser Rotwein war es auch mit der Bettschwere nicht weit....
