Sonnenschein pur und die kommenden Gipfel, so kann man sich den ersten Ausblick vom Fenster vorstellen. Es verspricht ein toller Tag zu werden, toll aber auch anstrengend. Nach gutem Frühstück betreuen wir unsere Räder und gönnen den Ketten ein wenig Öl. Die erste Hälfte bis Stein ist wieder selbst geplant. Was wird uns heute begegnen, sind die geplanten Wanderwege fahrbar?

Der Start in den Tag fängt gleich mit einem kleinen Aufstieg an. Nur 300 hm, aber dennoch anstrengend. Das Panorama entschädigt für alles, der Blick auf die Gipfel und übers Land ist grandios, Lebensfreude pur entwickelt sich. Der weitere Weg ist uns völlig unbekannt, ich hab ihn einfach nach Erfahrung mit Wanderkarten entworfen. Ziel ist wieder das Örtchen Stein, um hier an die Originalroute anzuknüpfen. Leichte Steigungen auf einem Höhenweg, die Sonnenstrahlen auf der Haut spüren, die Faszination Bergwelt einatmen, das macht einen Alpencross aus.

Am Wegrand erkennen wir eine Glockenbühne und es macht uns einen Heiden Spaß, einfach nur durch- zulaufen und aller Welt zu zeigen: Wir sind da! Genug Blödsinn gemacht, weiter geht’s!

Es ist verdammt heiß heute, der Schweiß tropft auf den Rahmen, das Trikot ist durchgeschwitzt, die Kühlung kommt nicht mehr nach. Wieder heißt es, viel zu trinken. Eine Wasserquelle hilft uns, Flaschen werden wieder gefüllt, der Nacken gekühlt und die Reise geht weiter. Wir haben bereits 2 Stunden hinter uns gebracht, als wir an eine kleine Hütte namens Strichboden vorbei kommen. Die erste Rast ist fällig. Kalte Apfelschorle tut gut, vor allem bei mittlerweile wieder fast 30 Grad.


Laut Plan sollte jetzt bald ein Downhill auf uns zu kommen. Auf den Wanderkarten weiß man nie, was bei gestrichelten Linien einen erwartet. Dieses Mal war es ein Volltreffer. Zunächst ein kleiner Pfad, dann auf Serpentinen einen sehr engen und steilen Schotterweg hinab. Der Blick richtet sich 1.000 m tiefer ins Tal. Volle Konzentration auf den Weg, der mit groben Steinbrocken übersät ist. Aber alles macht uns tierischen Spaß und die Höhenmeter werden wie im Flug vernichtet. Wir können auf der anderen Seite des Berghanges schon den nächsten Aufstieg erkennen, doch zunächst müssen wir unsere Hände entkrampfen, denn das ständige Bremsen kostet Kraft und verspannt.


Die nächsten 500 hm müssen überwunden werden, aufwärts. Das Ganze auf 5 km, also 10% Steigung im Schnitt. Es wird sehr anstrengend, es ist heiß, wir schwitzen enorm. Man kann gar nicht soviel trinken, muss sich zwingen, ständig an der Flasche zu nippen. Wir haben Glück, denn ¾ des Weges verläuft im schattenspendenden Wald. Steile Abschnitte und die brennende Hitze machen es nötig, des öfteren eine kleine Pause einzulegen, was auch unserem „Allerwertesten” gut tut. Aber dann kommt der Moment an dem wir sagen: Wir haben es geschafft und den nächsten Gipfel (Vorder Höhi 1.537 m) erreicht! Ein uriges Gehöft, ein Brunnen mit kaltem leckeren Wasser und der Aussicht auf den nächsten Downhill – so macht das Bikeleben Spaß.


Vielleicht haben wir dieses mal wieder Glück und der von mir auserwählte gestrichelte Wanderpfad ist fahrbar. Nach ein paar Fotos und einem kräftigen Schluck Wasser führt der Weg zunächst über eine steile Wiese hinab. Dann ein Kuhgatter und der Weg entpuppt sich zum wahren Freudenspender. Ein Trail im Wald, über Stufen und verblockten Stellen, wir müssen nur manches Mal absteigen. Traumhaft. Viel flow – wir lassen es laufen und genießen die Abfahrt. Der Pfad mündet in eine Kuhwiese, der eigentliche Wanderweg ist kaum sichtbar. Einzig die rot/weiß/rote Markierung auf einem entfernten Stein und mein GPS zeigt uns die Richtung. Da erwische ich doch in mitten eines schrägen Abhangs ein total aufgeweichtes Wiesenstück, mein Reifen rutscht aus und ich mitten im Matsch. Das Gelächter von Jürgen konnte ich nicht überhören. Ich dachte zunächst, es wäre Kuhmist, doch glücklicher Weise war es „nur“ Matsch. Die Wiesenabfahrt mündet auf einen Weg und wir erkennen auf der anderen Seite die gestrige Abfahrt vom Risipass. Hier treffen wir wieder auf die Originalroute. Jürgen & ich sind uns einig, der „Umweg“ war jeden Meter wert – einfach nur klasse!




Nachdem wir uns an einem Bach erfrischt haben, ich mich von meiner Fangopackung befreit und mit einem Riegel gestärkt haben, beginnt der Aufstieg nach Hinter Höhi (Die Schweizer haben schon komische Namen). Es folgt zunächst eine lange, aber moderate Schotterauffahrt. Ein kleiner Trail endet an einer Almhütte mit frischem Quellwasser. Das war auf der gesamten Tour übrigens nie ein Problem, Wasser zu finden. Wir schauen uns verdutzt an, denn wir erkennen keinen Weg mehr. Doch das Navi zeigt den Wegverlauf – es geht auf einer sehr steilen Wiese im direkten Weg hinauf. Also gut, die Bikes geschnappt und aufi geht’s. Schritt für Schritt, schwitzend und schnaufend, erklimmen wir die Wiese. Was wir bis jetzt noch nicht wissen, dass es eine der kürzeren und nicht so steilen Schiebepassagen auf der Tour sein wird. Dazu später mehr. Nach knapp 30 min. erreichen wir wieder einen Schotterweg, der uns auf einer Hochebene direkt zum Übergang Hinter Höhi (1.396 m) führt.



Ein paar Meter abwärts rollen wir Richtung Tal und erreichen eine Alm, die zur Brotzeit einlädt. Während ich die Bestellung aufgebe, wechselt Jürgen schnell die vorderen Bremsbeläge. Dann lassen wir uns eine Wurstplatte, ein getoastetes Käsebrot und ein alkoholfreies Bier bei traumhafter Aussicht schmecken. Das nennen wir Urlaub. Wir lassen uns Zeit, denn viel ist es heute nicht mehr, was wir schaffen müssen und wir haben noch frühen Nachmittag.


Die Fahrt geht weiter, abwärts Richtung Walensee. An der Skistation biegen wir auf einen herrlichen Wiesentrail, der in einen Pfad am Waldrand weiterführt. Ab & zu verblockt, dann über einen Bachlauf schiebend, aber alles in allem wieder mal traumhaft schön. Hinab zum See führt ein kleines Sträßchen, der heiße Wind bläst ins Gesicht, wir genießen den Rausch.


Am Walensee ein kurzer Fotostopp, sieht schon toll aus. Türkisblaues Wasser, die Berge rings herum - wie im Urlaubsprospekt. Dann geht es über einen Radweg nach Glarus und weiter nach Hortenberg, unsere heute Endstation. Unser Gasthof hat einen tollen Biergarten, es ist warm und wir haben Hunger. Also setzten wir uns kurzer Hand hin und genießen unser Abendmahl: 2 verscheide Sorten gegrillten Fisch mit Pommes & Salat und dazu, kein Alkoholfreies ;-). Ach ja, den Becher Eis dürfen wir nicht vergessen. Der obligatorische Spaziergang darf nicht fehlen, bevor wir wieder ins Reich der Träume fallen ...

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