Heute soll es 30 Km bis nach Sur En zu unserer nächsten Übernachtung gehen und von dort aus (ohne Gepäck) die Val d Uina Schlucht hoch & runter.

Das Frühstück ist einfach aber gut, alles in allem kann man über die Bodenalpe sagen, dass es für den Preis wirklich eine gute und anständige Leistung gibt. Ach ja, der Blick am morgen um 7:00 Uhr aus dem Fenster war heute etwas ernüchternd – Nebel und leichter Nieselregen. Über Nacht hat es ziemlich geschüttet und die Wiesen und Wege sahen aufgeweicht aus. Runter zu den Bikes (in verschlossener Garage), kurz noch geölt und ab ging’s gleich hinauf.



Erste Station: die Grenze Österreich / Schweiz an einer kleinen Hütte, dann stetig ansteigend über Schotterweg zur Heidelberger Hütte. Die ersten 7 Km und 400 Hm wären geschafft, das war uns eine Apfelsaftschorle in der Hütte wert. Schade das uns der Nebel und die Wolken die Sicht nahmen, das Panorama muss bei guten Sichtverhältnissen eine Augenweide hier sein!
Jetzt begann der Aufstieg zum Fimberpass. Nicht ganz so schwer wie der Aufstieg zur Heilbronner Hütte am Vortag, dennoch für uns und viel andere, die wir getroffen hatten, nicht fahrbar. Der Weg war ausgewaschen, nass und schlammig durch den vielen Regen. Also die 2,5 Km und letzten 350 hm in ca. 1 Stunde hoch geschoben.




2.600 m über dem Meer ist schon ein tolles und erhabenes Gefühl. Schnell noch ein Gruppenfoto, ein paar Panoramen trotz Nebel und schlechter Sicht – und ab soll’s gehen auf einen von oben erkennbaren Singeltrail. Doch für uns „Flachlandtiroler“ war die ca. 3 km lange Abfahrt nur ab & zu fahrbar. Öfters wirklich große Steingefälle, hohe Absätze und grobes Geröll - aber glücklich und unverletzt erreichten wir das Alp Chöglias, eine kleine, geschlossene Hütte. Wir steigen lieber einmal zu viel als irgendwann überhaupt nicht mehr ab. Nochmals 1 Km, manchmal am Flussbett entlang und dann eine Brücke vom feinsten überquerend, folgte ein guter Forstweg bis Griosch.



Nach einer rasanten Wiesenabfahrt und einem kleinen, aber coolen Wurzeltrail nach Vna erreichten wir das Kurhaus Val Sinestra um dann einer Naturstraße folgend, Sur En zu erreichen. Su En ist ein Dorf bestehend aus einem Campingplatz, den wir durchquerten und 5 Häuser. Es war also kein Problem unser Hotel zu finden. Urig und gelassen stand er am Waldrand vor uns, der Landgasthof VAL D´UINA.



Nach kurzer Anmeldung, einer Dusche für unsere Bikes mit dem Gartenschlauch, und den Bezug unseres Zimmers machten wir uns so gegen 15:00 Uhr auf zum nächsten Abenteuer – Erklimmen der imposanten Val d Uina Schlucht – und diesmal ohne Gepäck mit sauberer Schaltung.



8,5 Km und 850 Hm weiter stand die Galerie der Schlucht vor uns, ein in den Fels gesprengter Weg, diverse Tunnels, Höhlen und der Abgrund von geschätzten 300 m. Den letzten km konnte man nur Laufen, teilweise sehr steil, schroffer Felsen und sehr enge Wege (mit Seil zum Festhalten). Viele Bilder später machten wir uns wieder auf den Rückweg. Das so etwas von Menschenhand erschaffen werden kann ist schon ein kleines, aber sehr imposantes Wunder.






Der Bikecomputer zeigte 18:00 Uhr und deshalb war kaum ein Wanderer unterwegs, die Abfahrt wurde zum Traum. Kleine Trails, verschlungene Schotterwege an Felsvorsprüngen entlang, Wasserfall mit Brückenüberquerung, die auf dem Hinweg so anstrengende Steigung hinab … und auf einmal kam ich nicht mehr aus meinen Schuh-Cleats heraus. Ich hatte eine Schraube verloren. Ersatz, na klar im Rucksack, der lag aber bereits im Hotel-Zimmer. Was soll’s, notdürftig repariert und weiter geht die Abfahrt, bis zum Hotel werde ich das schon schaffen. Auf halbem Wege überholte uns eine vierer Bike-Gruppe so rasant, dass wir dachten, dass müssten Einheimische sein die den Weg kennen – wahnsinnig. 5 min später wurden wir vom Gegenteil überzeugt, denn eine Fahrerin saß am Weg mit aufgeschundenem und blutendem Knie voll gespickt mit kleinen Steinsplittern und das defekte, nicht mehr fahrtüchtige Bike lag neben ihr. Wir boten unsere Hilfe an (sie sprach nur Englisch), doch die Anderen kamen schon um die Ecke und versorgten die Dame. Es waren Amerikaner auf “Bike Holiday”. Tja - zum Schluss waren wir dann doch schneller und 20 min später standen wir wieder vor unserem Hotel. Was für ein Traum diese Schlucht - da plagt man sich gerne den Weg nach oben um sie dann in aller Ruhe zu genießen!
Ein tolles Abendmenü mit Weizenbier rundete den so herrlichen Tag ab - es war einfach nur ein fantastischer Tag. Wir hatten uns für morgen einen Ruhetag eingebaut: nur 40 Km und 1000 hm sollten es werden - im Traum fuhren wir schon los…