Langsam öffne ich die Augen und mit voller Hoffnung erhasche ich einen Blick aus dem Fenster: kleine weiße Wolken, dazwischen blaue Abschnitte und kein Regen! So schnell war ich schon lange nicht mehr aus dem Bett gesprungen, schaute Jürgen an und unser Abenteuer kann endlich beginnen. Nach ausgiebigem Frühstück standen wir um 7:30 Uhr vor unserem Hotel und machten ein obligatorisches Abschiedsfoto.



Zunächst auf Strasse, dann auf einem Radweg Richtung Glurns. Wir wussten dank GPS, dass nach einer kleinen Steigung irgendwann ein Pfad von der Strasse abbiegen musste, aber wir haben doch glatt den Falschen erwischt. Gemerkt haben wir das erst ca. 1 km später, da unser Pfad sich nur 30 m vom “Richtigen” entfernte, aber dafür 80 hm Differenz aufwies. Der unsrige war kaum zu fahren und wir dachten schon, dass beginnt ja schon mächtig. Unser Weg machte plötzlich einen Schwenk in eine nicht vorhergesehenen Richtung, also mussten wir falsch sein. ... dann aber schnell umgedreht, den Weg zurück und ein Stück weiter unten, ganz heimlich versteckt hinter einem Busch, führt der richtige Pfad entlang. Der war eine fahrerische Augenweide, ein kleiner Trail schlängelt sich immer am Waldrand entlang, mal hoch, mal runter, mit Wurzeln durchzogen und viel Flow. Ja so kann unsere Tour beginnen! Der Trail endete ca. 5 km später unterhalb der Burg Lichtenberg in Prad.




Die Strecke führt weiter auf einer kleinen Strasse, dann auf Schotter folgt der erste, mühsame Aufstieg für den heutigen Tag. Auf 12 km Länge und einer Durchschnittssteigung von ca. 9% ging es von Prad (900 m) hinauf auf eine kleine Hütte (2.000 m).



Wir haben das erste mal Sicht auf Sulden, 200 m tiefer im Tal. Einfach nur toll.
Jetzt folgt ein sehr ausgesetzter und verblockter, zum größten Teil nur schiebbarer Trail. Er schlängelte sich durch den Wald, ab & zu durchquerte er einen Fluss, mal ne Rampe von 50 hm, dann wieder steil bergab. Manchmal konnten wir auch ein Stück fahren ...leider zu selten.




Wir schauten auf die Uhr: 12:15. Wir wussten, dass die letzte Fahrt mit der Suldener Gondel auf die Schaubacher Hütte um 12:45 Uhr ging, dann folgte eine Mittagspause bis 14:00 Uhr. Also einen Gang schneller, der Weg wurde auch besser, mündete in Schotter und letztendlich auf einer Strasse in Sulden. Jetzt sind es nur noch 2 km mit einer kleinen Steigung von 3%....
...schnaufend & abgeschwitzt stehen wir an der Talstation und müssen zusehen, wie gerade eben die letzte Gondel vor der Mittagspause losfuhr. Es war 12:47! Misst.
Wir wollten uns die 700 hm zu Fuß auf die Schaubacher Hütte sparen, denn heute standen immerhin
2.300 hm auf unserem Programm. Das ist uns genug für den 1. Tag. Also nutzen wir die Gelegenheit, machten es uns auf der Terrasse des Hotels gegenüber gemütlich und genossen so den ein oder anderen Cappuccino mit leckerem Apfelstrudel, bis wir um 14:00 Uhr in die Gondel einsteigen durften.



Eine grandiose Aussicht, die uns beim Verlassen der Gondel bot. Bayrischer weiß/blauer Himmel, das
3 - Gestirn Ortler - Königsspitze - Zebru teilweise in weißen Wolken umhüllt... einfach nur schön anzusehen. Auch der bekannte Blick auf die Schaubachhütte bot sich uns dar. Unsere Augen verfolgten natürlich gleich den Weg Richtung Gipfel... nur die ersten paar Meter konnten wir noch fahren, dann war Schieben angesagt.


Auf Schotterpiste, durch Schmelzwasser und kleinere Schneefelder ging es von 2.580 m auf 3.130m, dem Madritschjoch entgegen. Durchschnittlich 20% Steigung und die Höhenluft machten es uns nicht leicht, aber rückblickend war es das angenehmste Schiebestück auf unserer ganzen Tour. Dazu aber mehr in den nächsten Tagen. Die Schneefelder stellten auch kein großes Problem dar, denn man konnte schon in der vorhanden Spur laufen und sank somit nur 10 cm ein. Verpasste man die Spur, waren es ca. 30 cm Schneematsch, die das Laufen erschwerten. Auf den Reifen klebte förmlich der Schnee und das Schieben des Bikes war nicht einfach aber machbar.







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Es ist schon ein erhabenes Gefühl, auf 3.130 m mit einem Bike zu stehen. Viele Gedanken schwirren dir im Kopf rum, der Ausblick grandios, den Augenblick einfach genießen. Wären wir gestern gestartet - das hätten wir nicht erlebt. Jürgen und ich waren uns einig, hier oben möchten wir nicht sein, wenn sich Blitz & Donner abwechseln und dir der Regen oder Schnee ins Gesicht peitscht. Nein, wir haben alles richtig gemacht und wurden dafür belohnt.
Die Abfahrt, oder soll ich besser sagen der Fußmarsch mit 35% Gefälle auf dem nächsten 1 km war schon heftig, aber dann wurde der Trail fahrbar und bis zur Zufallhütte konnte man es fast immer laufen lassen. Natürlich hielten wir immer wieder an, um das Panorama der einsamen Bergwelt aufzusaugen, Bilder zu machen und um die ganze Situation einfach nur zu genießen!






An der Hütte konnten wir den Zufritt Stausee und fast hinab bis in das Martelltal sehen. Der Trail ging bis kurz vorm Stausee weiter, dann folgte eine gemütliche Schotterfahrt rechts um den Stausee herum. Ein paar Serpentinen Strasse, dann bog unser Weg auf einen Trail, der sich immer der Strasse entlang schlängelte. Vorbei an großen Erdbeerfeldern, entlang des Flusses Plimabach, bis wir in Martell ankamen, unser Hotel suchten und schon erwartet wurden.




Nach einem reichlichen Abendessen, einer gemütlichen Runde im Whirlpool fielen wir müde in unsere Betten und verarbeiteten das Erlebte & träumten schon von morgen...
Mehr Informationen hierzu finden Sie im jeweiligen Report.